Redewendung, Redensart und Sprichwort

Redewendung

Eine Redewendung ist eine feste Verbindung aus mehreren Wörtern, deren Sinn oft über die einzelnen Wörter hinausgeht. Sie lässt sich dennoch an Satzbau und Zeitform anpassen: Aus „Schwein haben“ wird etwa „Sie hatte Schwein“. Ob eine Formulierung bildlich gemeint ist, zeigt sich besonders im jeweiligen Zusammenhang. Ein einfacher Prüftest hilft, solche Wendungen von wörtlichen Aussagen zu unterscheiden. Die folgenden Beispiele machen außerdem deutlich, dass Bedeutung, Sprachregister und Herkunft unterschiedlich sicher bestimmbar sind.

Definition und Merkmale

Eine Redewendung ist eine feste Mehrwortverbindung, die als Einheit verwendet wird und meist eine übertragene Gesamtbedeutung besitzt. Bei „den Löffel abgeben“ geht es beispielsweise nicht um die Übergabe eines Essbestecks, sondern um das Sterben. Die Bedeutung ergibt sich aus dem etablierten Gebrauch der ganzen Verbindung; sie ist nicht einfach aus den Einzelwörtern abzuleiten. In der Linguistik wird eine solche Wendung häufig als idiomatische Verbindung bezeichnet.

Fest bedeutet dabei nicht, dass jedes Wort unverändert bleiben muss. Redewendungen lassen sich grammatisch in einen Satz einfügen und an Person, Zeitform oder Zahl anpassen: „Er hat Schwein“, „sie hatte Schwein“ und „wir hatten Schwein“ verwenden dieselbe Wendung in verschiedenen Formen. Auch Ergänzungen und Satzstellungen können sich ändern, während der übertragene Sinn erhalten bleibt. Die grammatische Anpassungsfähigkeit unterscheidet die Redewendung von einem vollständig unveränderlichen Satz, ohne ihre feste Wortverbindung aufzulösen.

Ein einfacher Erkennbarkeitstest besteht aus zwei Fragen: Passt die wörtliche Bedeutung der Wörter zur beschriebenen Situation? Und ergibt die gesamte Wortgruppe im Kontext einen geläufigen übertragenen Sinn? Wenn jemand „ins Gras beißt“, obwohl es um seinen Tod geht, ist die bildliche Lesart entscheidend. Die wörtliche Lesart kann dagegen in einem passenden Zusammenhang durchaus gemeint sein, etwa wenn ein Tier tatsächlich Gras frisst. Der Kontext entscheidet also mit.

Auch ein bildhaft klingender Ausdruck ist nicht automatisch eine Redewendung: Entscheidend sind die feste Verbindung und ihre konventionell bekannte Gesamtbedeutung. Umgekehrt kann eine Wendung grammatisch verändert auftreten und trotzdem als dieselbe Einheit erkennbar bleiben. Kurz gesagt: Eine Redewendung verbindet mehrere Wörter zu einem vertrauten, häufig übertragenen Sinn, der sich im Satz flexibel verwenden lässt.

Beispiele

Die Beispiele zeigen, wie stark sich Redewendungen in Bedeutung und Ton unterscheiden. Herkunftserklärungen werden dabei als mögliche Deutungen kenntlich gemacht, wenn kein gesicherter Ursprung feststeht.

  • Schwein haben heißt Glück haben. „Jana hatte beim letzten Los Schwein.“ Oft wird ein Schwein als Trostpreis bei Wettbewerben genannt; gesichert ist das nicht. Umgangssprachlich.
  • Ins Gras beißen heißt sterben. „Der Soldat biss im Roman ins Gras.“ Eine Erklärung verweist auf Schlachtfelder; ein gesicherter Ursprung ist nicht bekannt. Derb und umgangssprachlich.
  • Den Löffel abgeben bedeutet sterben. „Der alte Kapitän gab schließlich den Löffel ab.“ Deutungen zum persönlichen Esslöffel kursieren, sind aber nicht belegt. Umgangssprachlich, teils salopp.
  • Den Nagel auf den Kopf treffen heißt genau das Richtige sagen. „Ihre Diagnose traf den Nagel auf den Kopf.“ Das Bild ist anschaulich, die Herkunft nicht sicher belegt; neutral-umgangssprachlich.

Die ersten drei Wendungen beziehen sich auf Glück oder Tod, aber ihr Register ist nicht gleich: „Schwein haben“ klingt locker, die beiden Todesausdrücke können salopp oder derb wirken. „Den Nagel auf den Kopf treffen“ passt dagegen auch in sachliche Gespräche. Für die Verwendung im Alltag zählt daher neben der Bedeutung, zu wem und in welcher Situation gesprochen wird. Im Zweifel ist die neutralere Formulierung die passendere Wahl.

Sprichwort

Sprichwörter verdichten Erfahrungen zu kurzen, überlieferten Aussagen, die in vielen Situationen verständlich sind. Ihre Form ist meist so fest, dass einzelne Wörter nicht beliebig ausgetauscht werden, ohne den vertrauten Klang oder Sinn zu verändern. Häufig stützt ein Reim die Einprägsamkeit, zwingend ist er jedoch nicht. Für die Einordnung zählt vor allem, ob ein vollständiger Satz eine allgemeine Erfahrung ausdrückt und ob ein bestimmter Urheber bekannt ist.

Definition und Merkmale

Ein Sprichwort ist ein vollständiger, meist kurzer Satz mit überlieferter und vergleichsweise fester Wortfolge. Es formuliert eine allgemeine Erfahrung, eine Lebensregel oder eine Bewertung, die über eine einzelne Person und Situation hinausweist. Wer es verwendet, muss die Aussage nicht eigens herleiten: Die bekannte Form bringt bereits eine Deutung mit. So kann ein Sprichwort eine Erfahrung zusammenfassen, eine Erwartung ausdrücken oder eine Handlung kommentieren.

Die Wortung gilt als fest, weil sich die überlieferte Form im gemeinsamen Sprachgebrauch etabliert hat. Grammatische Einzelheiten können in der tatsächlichen Verwendung zwar variieren, doch eine beliebige Umstellung oder Ersetzung von Wörtern lässt das Sprichwort schnell ungewohnt erscheinen. Viele Sprichwörter sind rhythmisch gebaut oder gereimt. Der Reim erleichtert das Behalten und Weitergeben, gehört aber nicht zwingend zur Definition: Entscheidend bleiben der vollständige Satz und seine verallgemeinernde Aussage.

Ein Sprichwort unterscheidet sich auch von einem Zitat. Bei einem Zitat lässt sich die Formulierung in der Regel einem bekannten Urheber oder einem konkreten Werk zuordnen. Sprichwörter werden dagegen meist ohne bekannten Autor überliefert und als gemeinsamer Sprachbesitz verwendet. Eine prägnante Aussage wird nicht allein dadurch zum Sprichwort, dass sie häufig wiederholt wird: Ist ein Urheber bekannt, spricht das eher für ein Zitat; ist die Urheberschaft nicht festgelegt und die Aussage als allgemeine Erfahrung verbreitet, passt die Bezeichnung Sprichwort.

Beispiele

Die folgenden Beispiele zeigen unterschiedliche Funktionen: Ein Sprichwort kann eine Schwierigkeit einordnen, vor einem Verhalten warnen oder den Zusammenhang zwischen Einsatz und Erfolg knapp benennen. Herkunftsangaben sind dabei mit unterschiedlicher Sicherheit möglich. Bei manchen Formulierungen ist keine einzelne Entstehungsquelle gesichert; eine bekannte biblische Parallele lässt sich dagegen konkret benennen.

  • „Aller Anfang ist schwer“ ordnet den Beginn einer neuen Aufgabe als oft mühsam ein. Die geläufige, allgemein verständliche Form wird neutral gebraucht; ein bestimmter Ursprung oder Urheber ist nicht verlässlich festgelegt.
  • „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ warnt davor, anderen schaden zu wollen. Die Aussage hat eine biblische Parallele in Sprüche 26,27; im Alltag klingt sie mahnend und bildhaft.
  • „Ohne Fleiß kein Preis“ verbindet Anstrengung mit dem erwarteten Erfolg. Der kurze Reim wirkt einprägsam und kann aufmunternd oder mahnend klingen; eine einzelne gesicherte Herkunft ist nicht bekannt.
  • Zum Vergleich: Ein Satz mit nachweisbarem Autor wird als Zitat eingeordnet, nicht allein wegen seiner Bekanntheit als Sprichwort. Bei den genannten Sprüchen ist kein einzelner Urheber üblich.

Im Gebrauch hängt die Wirkung auch vom Gesprächszusammenhang ab: „Aller Anfang ist schwer“ kann Verständnis für anfängliche Fehler ausdrücken, während „Ohne Fleiß kein Preis“ stärker zu Einsatz anhält. Das bildhafte Grubenmotiv macht die Warnung vor Schadenfreude oder einem geplanten Nachteil besonders deutlich. Die Herkunft eines Sprichworts ist nicht immer bis zu seiner ersten Verwendung zurückzuverfolgen; bei „Wer anderen eine Grube gräbt“ lässt sich immerhin die biblische Parallele anführen. Die drei Formulierungen sind allgemein verständlich und passen eher in alltägliche Gespräche als in förmliche Fachtexte.

Für die praktische Einordnung genügt eine einfache Prüfung: Steht eine vollständige, verallgemeinernde Aussage in einer überlieferten festen Form, spricht das für ein Sprichwort. Ist dagegen ein Urheber oder ein konkretes Werk maßgeblich, liegt ein Zitat näher. Achten Sie im Gespräch zusätzlich auf den Ton: Derselbe Spruch kann trösten, antreiben oder warnen. Entscheidend ist, ob die bekannte Aussage die konkrete Situation treffend zusammenfasst, statt lediglich als Verzierung eingesetzt zu werden.

Redensart und Grenzfälle

Im Sprachgebrauch lassen sich Redewendung, Redensart und Sprichwort nicht immer trennscharf auseinanderhalten. Besonders bei kurzen, fest geprägten Formulierungen hängt die Einordnung davon ab, ob sie einen vollständigen Satz bilden und eine allgemeine Aussage vermitteln. Auch die Herkunft kann eine Rolle spielen: Ein bekanntes Zitat lässt sich als geflügeltes Wort einordnen, selbst wenn es zugleich sprichwörtlich gebraucht wird. Die folgenden Merkmale helfen, typische Grenzfälle im Deutschen zu beschreiben.

Redensart im Alltag

Im Alltag wird „Redensart“ häufig synonym zu „Redewendung“ verwendet. Wer sagt, jemand habe „den Faden verloren“, bezeichnet das meist ohne fachliche Unterscheidung als Redensart oder Redewendung. Beide Wörter können dann eine geläufige, fest geprägte Verbindung meinen, deren Sinn sich nicht ohne Weiteres aus den einzelnen Wörtern ergibt. In der Sprachwissenschaft und Phraseologie werden die Begriffe dagegen teils enger oder unterschiedlich verwendet; eine einheitliche Grenze, die in jeder Quelle gilt, gibt es nicht.

Die historische Wörterbuchtradition zeigt, wie lange diese Kategorien ineinandergreifen. Karl Friedrich Wilhelm Wander begann 1867 mit der Veröffentlichung seines „Deutschen Sprichwörter-Lexikons“, das neben Sprichwörtern auch sprichwörtliche Redensarten aufnahm. Schon diese Bezeichnung macht deutlich, dass Sammler und Lexikografen feste Wendungen nicht immer einer einzigen Schublade zuordneten. Eine Formel konnte wegen ihrer Bildhaftigkeit als Redensart gelten und zugleich wegen ihrer Verbreitung in einer Sprichwörtersammlung stehen.

Unsicherheit entsteht vor allem bei kurzen Ausrufen und Satzfragmenten: „Hals über Kopf“ ist keine vollständige Aussage, während „Morgenstund hat Gold im Mund“ als selbstständiger Satz eine allgemeine Lebensregel formuliert. Auch der Kontext beeinflusst die Wahrnehmung. Wird eine feste Wendung in einem vollständigen Satz gebraucht, macht das sie nicht automatisch zum Sprichwort; entscheidend ist, ob die Wendung selbst eine abgeschlossene Aussage bildet. Für den Alltagsgebrauch reicht meist die Bezeichnung Redensart, während eine genauere Einordnung zusätzliche Merkmale berücksichtigt.

Wenn die Grenze verschwimmt

Die Merkmale in der Tabelle sind Orientierungspunkte, keine ausnahmslosen Regeln. Eine einzelne Formulierung kann je nach Gebrauch mehrere Eigenschaften verbinden.

Typische Merkmale von Redewendung, Redensart und Sprichwort
KriteriumRedewendungRedensartSprichwort
FormOft feste Wortverbindung, etwa „ins Gras beißen“Häufig bildhafte oder idiomatische Wendung, etwa „auf dem Holzweg sein“Meist eine selbstständige Aussage, etwa „Übung macht den Meister“
SatzvollständigkeitOft Satzteil; braucht meist eine ErgänzungOft Satzteil oder kurze feste FormelKann gewöhnlich als vollständiger Satz stehen
FixierungWortlaut und grammatische Form sind häufig teilweise festWortwahl und Bild sind meist überliefert, aber im Satz anpassbarÜberlieferter Wortlaut ist meist stark gefestigt
BedeutungsableitbarkeitOft übertragen; „ins Gras beißen“ bedeutet sterbenHäufig bildhaft und nicht wörtlich zu verstehenDie Aussage ist meist verständlich, ihre Anwendung kann übertragen sein
AutorenschaftMeist keine einzelne bekannte UrheberschaftMeist anonym überliefertMeist anonym überliefert, mit möglichen Varianten
ReimKein typisches ErkennungsmerkmalKann vorkommen, ist aber nicht erforderlichKann vorkommen, etwa „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“
Gängige RegisterAlltagssprache und verschiedene StilregisterBesonders mündlicher und umgangssprachlicher GebrauchAlltag, Ratgeberformeln und zitierende Sprache

Am zuverlässigsten ist die Kombination aus Satzform und Aussagefunktion: Ein Ausdruck, der nur in einen Satz eingebaut wird und eine übertragene Bedeutung hat, ist meist eine Redewendung oder Redensart. Formuliert er dagegen eine in sich geschlossene, verallgemeinernde Aussage, spricht das für ein Sprichwort. Die Grenze bleibt beweglich: „Auf dem Holzweg sein“ kann als Redensart auftreten, obwohl der vollständige Satz „Wer auf dem Holzweg ist, findet sein Ziel nicht“ wie eine allgemeine Aussage wirkt. Die Ergänzung verändert den Satz, aber nicht automatisch die übliche Einordnung der festen Wendung. Reim, Alter und Verbreitung sind zusätzliche Hinweise, jedoch für sich allein kein Beweis.

Geflügelte Worte

Geflügelte Worte sind allgemein bekannte, zitierbare Wendungen oder Aussagen, deren Herkunft sich auf eine bestimmte Quelle zurückführen lässt. Als Quelle kommen etwa ein literarisches Werk, eine historische Rede oder eine bekannte Person infrage. Anders als bei vielen anonym überlieferten Sprichwörtern ist die Zuschreibung hier Teil des Wissens um den Ausdruck; im Gebrauch wird sie allerdings nicht immer ausdrücklich mitgenannt.

„Eulen nach Athen tragen“ geht auf Aristophanes’ Komödie „Die Vögel“ zurück, die 414 v. Chr. aufgeführt wurde. Athen prägte Eulen auf seine Münzen, sodass der Ausdruck das unnötige Herbeischaffen von etwas bezeichnet, das bereits reichlich vorhanden ist. Die Wendung ist zugleich sprichwörtlich geworden: Sie wird häufig ohne Hinweis auf Aristophanes verwendet und funktioniert dann wie eine geläufige bildhafte Redensart. Die bekannte Herkunft macht sie dennoch zu einem geflügelten Wort.

Für die Einordnung hilft eine kurze Faustregel: Eine feste, nicht vollständige Wortverbindung mit übertragener Bedeutung ist meist Redewendung oder Redensart; eine abgeschlossene allgemeine Aussage ist meist ein Sprichwort. Lässt sich die Formulierung außerdem auf eine bekannte Quelle zurückführen und wird sie als Zitat weitergetragen, kann sie zugleich ein geflügeltes Wort sein. Die Kategorien schließen einander nicht vollständig aus: „Eulen nach Athen tragen“ zeigt, dass Herkunft, Satzform und heutige Verwendung unterschiedliche Aspekte derselben Wendung beschreiben.

Nachschlagewerke

Nachschlagewerke helfen dabei, Bedeutung, Gebrauch und historische Belege einer festen Wendung gezielt zu prüfen. Für den heutigen Sprachgebrauch eignet sich ein aktuelles Wörterbuch, während ältere Sammlungen Varianten und frühere Deutungen sichtbar machen. Wander und Röhrich bieten umfangreiches Material, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Entscheidend ist die Fragestellung: Eine knappe Bedeutungsangabe verlangt eine andere Quelle als die Suche nach der Herkunft von Redensarten oder einem historischen Beleg.

Wander

Karl Friedrich Wilhelm Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon erschien ab 1867. Es sammelt Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten und gehört zu den wichtigen historischen Sammlungen deutscher Sprichwortüberlieferung. Bei einer Recherche lohnt sich der Blick nicht nur auf die heute geläufige Form: Wander verzeichnet auch ältere Schreibweisen und Varianten, die in aktuellen Wörterbüchern fehlen können.

Für die Bedeutungssuche beginnen Sie mit dem markanten Wortlaut und prüfen anschließend verwandte Formulierungen. Ein Eintrag kann Hinweise darauf geben, wie eine Wendung früher verstanden oder in welchem Zusammenhang sie überliefert wurde. Das ist besonders nützlich, wenn ein Ausdruck in einem älteren Text begegnet und seine damalige Bedeutung nicht ohne Weiteres der heutigen entspricht.

Auch zur Herkunft liefert die Sammlung Anhaltspunkte: Varianten und historische Erläuterungen lassen sich miteinander vergleichen und können eine Entwicklung plausibel machen. Ein älterer Eintrag beweist jedoch nicht automatisch, dass die Wendung dort erstmals entstanden oder belegt ist. Für einen belastbaren historischen Nachweis muss die angeführte Überlieferung, sofern vorhanden, im ursprünglichen Text geprüft und mit weiteren zeitgenössischen Quellen verglichen werden.

Wander eignet sich daher vor allem als Ausgangspunkt für ältere Sprichwortformen und für eine erste historische Einordnung. Für eine präzise heutige Bedeutung ist ein aktuelles Wörterbuch meist schneller; für die Datierung einer konkreten Form zählt der nachprüfbare Beleg in einer datierten Quelle. Nutzen Sie das Lexikon, um Suchvarianten zu finden und die weitere Recherche gezielter anzulegen.

Röhrich

Lutz Röhrichs Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten behandelt feste Wendungen mit Blick auf Bedeutung, Herkunft und kulturelle Überlieferung. Das spätere Große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten führt diesen Zugang in erweiterter Form weiter. Die Einträge verbinden sprachliche Erläuterungen mit historischen, literarischen und volkskundlichen Bezügen; dadurch eignet sich das Werk besonders für Fragen, die über eine kurze Wörterbuchdefinition hinausgehen.

Bei der Herkunftsrecherche kann Röhrich mögliche Deutungen und überlieferte Erklärungen nebeneinander sichtbar machen. Die Erläuterungen zeigen, welche Vorstellungen, historischen Verhältnisse oder Tätigkeiten mit einer Wendung verbunden wurden. Prüfen Sie dabei, ob eine Erklärung als belegte Überlieferung, als plausible Herleitung oder als verbreitete Deutung präsentiert wird. Ähnlich klingende Wörter allein reichen nicht aus, um eine Herkunft sicher abzuleiten.

Auch Gebrauchshinweise sind hilfreich: Kontextbeispiele und Erläuterungen machen verständlicher, in welcher Bedeutung ein Ausdruck verwendet wird und welche Assoziationen er tragen kann. Das unterstützt die Interpretation in älteren Texten ebenso wie die Analyse eines modernen Belegs. Bei einer mehrdeutigen Wendung empfiehlt sich der Vergleich der im Lexikon beschriebenen Lesarten mit dem konkreten Satzumfeld, der Zeit des Textes und der Textsorte.

Röhrich ist damit besonders geeignet, wenn Sie die Herkunft oder Bedeutungsentwicklung einer sprichwörtlichen Redensart untersuchen möchten. Für einen historischen Erstbeleg bleibt eine datierte Primärquelle entscheidend; ein Lexikoneintrag kann den Weg zu solchen Belegen weisen, ersetzt deren Prüfung aber nicht. Für die aktuelle Standardbedeutung und den heutigen Gebrauch ist ein gegenwartsbezogenes Wörterbuch meist die direktere erste Anlaufstelle.

Duden

Duden bietet mit dem Wörterbuch Redewendungen und seinen Online-Lemmata praktische Auskunft zu Bedeutung und Gebrauch. Für eine schnelle Prüfung des heutigen Sprachstands helfen diese Angebote besonders bei der Frage, ob eine Formulierung idiomatisch verwendet wird und welche Lesart im jeweiligen Zusammenhang passt.

  • Schlagen Sie die Wendung unter einem auffälligen Hauptwort nach; bei abweichender Wortfolge prüfen Sie auch die naheliegenden Stichwörter.
  • Lesen Sie die Bedeutungsangabe vollständig, denn ein Lemma kann mehrere Lesarten aufführen, die sich erst im Satzkontext auseinanderhalten lassen.
  • Beachten Sie vorhandene Gebrauchsangaben und Beispiele; sie zeigen, in welchen grammatischen Mustern die Wendung üblich ist.
  • Vergleichen Sie die Wörterbuchform mit Ihrem Beleg, etwa bei veränderter Zeitform, Ergänzung oder Stellung einzelner Satzglieder.
  • Nutzen Sie Online-Lemmata für eine rasche Kontrolle und das Wörterbuch, wenn Sie mehrere verwandte Wendungen systematisch nachschlagen möchten.

Duden ist am geeignetsten, wenn eine aktuelle Bedeutungsangabe oder ein Gebrauchshinweis gesucht wird. Für eine ausführliche Herkunftserklärung ist Röhrich ergiebiger; für ältere Varianten und historische Spuren bietet Wander einen passenden Recherchebeginn. Soll ein bestimmtes Entstehungsdatum belegt werden, prüfen Sie zusätzlich die zeitgenössische Quelle, in der die Formulierung tatsächlich vorkommt.

Häufige Fragen

Die Antworten ordnen die Begriffe nach Satzform, Gebrauch und Erkennbarkeit ein.

Ist eine Redewendung dasselbe wie ein Sprichwort?

Nein: Eine Redewendung ist eine feste, mehrwortige Einheit, die keine vollständige Satzform bildet und eine übertragene Bedeutung haben kann. Ein Sprichwort dagegen ist ein feststehender vollständiger Satz, der eine allgemeine Aussage oder Erfahrung ausdrückt; Satzform und allgemeiner Geltungsanspruch sind wichtige Unterscheidungsmerkmale. Der Unterschied zwischen Redewendung und Sprichwort liegt somit nicht allein darin, dass beide überliefert und geläufig sein können, sondern vor allem darin, ob eine feste Wortverbindung in einen Satz eingebettet wird oder selbst einen vollständigen Satz bildet.

Was ist eine Redensart?

Redensart wird im Alltag häufig als gleichbedeutendes Wort für Redewendung verwendet; eine einheitliche, überall scharf gezogene Grenze zwischen den beiden Bezeichnungen besteht jedoch nicht. Je nach sprachlichem Zusammenhang kann Redensart enger oder weiter gebraucht werden, weshalb auch die jeweilige Definition in einem Nachschlagewerk und die konkrete Verwendung zu beachten sind. Wander ist dabei ein hilfreicher Hinweis auf die überlieferte Begriffsverwendung: Seine Sammlung lässt sich zum Nachschlagen heranziehen, belegt aber nicht, dass alle Fachleute die beiden Wörter stets gleich oder stets verschieden verwenden.

Ist ‚Kein Ding ohne Grund‘ ein Sprichwort?

Allein aus der Formulierung „Kein Ding ohne Grund“ lässt sich nicht sicher bestimmen, ob sie als Sprichwort gelten sollte. Für diese Einordnung kommt es auch darauf an, ob der Satz in einer Sprachgemeinschaft verbreitet und in weitgehend fester Form überliefert ist und ob er eine allgemeine Erfahrung ausdrückt. Ohne solche Angaben ist nur eine vorsichtige Einschätzung möglich: Die Form wirkt wie ein vollständiger allgemeiner Aussagesatz, doch das allein belegt weder ihre Verbreitung noch ihre feste Überlieferung als Sprichwort.

Wie erkennt man ein Sprichwort?

Ein Sprichwort erkennt man meist daran, dass es als vollständiger, feststehender Satz eine allgemeine Erfahrung oder Aussage formuliert; gelegentlich hilft auch ein Reim beim Wiedererkennen. Prüfen Sie zusätzlich die Zuschreibung: Ist ein bestimmter Autor bekannt, handelt es sich eher um ein Zitat oder geflügeltes Wort; ist kein Urheber bekannt und wird der Satz allgemein überliefert, spricht das eher für ein Sprichwort. Entscheidend ist also nicht ein einzelnes Merkmal, sondern das Zusammenspiel von Satzform, allgemeinem Aussagegehalt, fester Überlieferung und bekannter oder fehlender Autorschaft.