Redewendungen mit Tieren
Tierbilder machen viele Redewendungen anschaulich: Sie können Glück, einen sozialen oder wirtschaftlichen Abstieg, eine Unwahrheit oder eine überflüssige Handlung benennen. Die wörtliche Vorstellung hilft beim Erinnern, doch die übertragene Bedeutung ergibt sich nicht immer aus dem Tier allein. Achten Sie beim Gebrauch darauf, ob eine Wendung scherzhaft, umgangssprachlich oder eher kritisch klingt. Die folgenden Beispiele zeigen Bedeutung, Register und einordnende Hinweise zur Herkunft.
Haus- und Nutztiere
„Schwein haben“ bedeutet, Glück zu haben, besonders wenn ein günstiger Ausgang unerwartet eintritt. Der Ausdruck ist umgangssprachlich und klingt meist locker; in einem formellen Bericht passt das neutrale „Glück haben“ besser. Beispiel: „Mara hatte Schwein und fand kurz vor Abfahrt noch einen freien Sitzplatz im Zug.“ Das Bild nennt das Schwein, erklärt aber nicht verlässlich, warum gerade dieses Tier für Glück steht. Die Herkunft der Redewendung ist nicht eindeutig gesichert; eine einzelne Erklärung lässt sich daher nicht als Tatsache anführen. Verwenden Sie sie in Gesprächen oder informellen Nachrichten, wenn der glückliche Zufall im Vordergrund steht, nicht als sachliche Beschreibung eines planmäßig erreichten Ergebnisses.
„Auf den Hund gekommen“ heißt, dass jemand in einen Niedergang geraten ist oder sich seine Lage deutlich verschlechtert hat. Die Wendung ist umgangssprachlich und kann spöttisch oder abwertend wirken, wenn sie auf eine Person bezogen wird. Beispiel: „Nach dem Verlust mehrerer Aufträge war der kleine Betrieb wirtschaftlich auf den Hund gekommen.“ Die Herkunft ist umstritten; es gibt konkurrierende Erklärungen, aber keine, die sich hier als gesichert darstellen lässt. Nutzen Sie den Ausdruck deshalb eher in einem vertrauten Gespräch oder in einer erzählenden Darstellung. Für eine ernste Mitteilung über finanzielle Schwierigkeiten sind Formulierungen wie „in eine schwierige Lage geraten“ respektvoller und genauer.
Die beiden Wendungen markieren gegensätzliche Entwicklungen: Mit „Schwein haben“ benennen Sie einen glücklichen Ausgang, mit „auf den Hund gekommen“ einen Abstieg. Das erste klingt meist heiter und bezieht sich oft auf einen einzelnen Zufall; das zweite beschreibt eher eine länger anhaltende Verschlechterung. Im Vergleich zu den neutralen Ausdrücken „Glück haben“ und „in Schwierigkeiten geraten“ sind beide Bilder umgangssprachlicher und auffälliger. „Schwein haben“ passt, wenn jemand knapp davongekommen ist oder unerwartet einen Vorteil hatte. „Auf den Hund gekommen“ passt, wenn Sie einen deutlichen Niedergang schildern und der lockere, mitunter harte Ton zur Situation passt. In einem förmlichen oder sensiblen Gespräch wählen Sie besser die sachliche Umschreibung.
Wildtiere und Vögel
„Einen Frosch im Hals haben“ bedeutet, heiser zu sein oder die Stimme vorübergehend kaum herauszubringen. Die Wendung ist umgangssprachlich und wirkt meist scherzhaft oder leicht entschuldigend. Beispiel: „Vor dem Vortrag hatte Jonas einen Frosch im Hals und räusperte sich mehrmals.“ Die Herkunft lässt sich aus dem Bild nicht sicher ableiten; eine gesicherte Erklärung wird hier nicht behauptet. Wenn Sie eine konkrete Stimmbeeinträchtigung sachlich beschreiben wollen, ist „heiser sein“ eindeutiger. Im persönlichen Gespräch kann die Redewendung dagegen die Situation anschaulich und weniger streng klingen lassen.
„Jemandem einen Bären aufbinden“ heißt, jemandem eine Unwahrheit aufzutischen oder ihn mit einer erfundenen Geschichte zu täuschen. Der Ausdruck ist umgangssprachlich und oft vorwurfsvoll, kann unter Freunden aber auch scherzhaft gemeint sein. Beispiel: „Lea band ihrem Bruder keinen Bären auf, sondern erklärte ehrlich, warum sie später kam.“ Die Herkunft ist nicht verlässlich geklärt; eine bestimmte Erklärung sollte deshalb nicht als gesicherte Tatsache gelten. Die Wendung passt, wenn eine Täuschung oder ein Scherz mit falschen Angaben gemeint ist. Bei einem ernsten Vorwurf ist „lügen“ oder „bewusst falsch informieren“ präziser und weniger bildhaft.
„Eulen nach Athen tragen“ bezeichnet eine überflüssige Handlung, bei der etwas dorthin gebracht oder angeboten wird, wo es bereits reichlich vorhanden ist. Die Wendung klingt bildungssprachlich, ist aber auch im allgemeinen Sprachgebrauch verständlich. Beispiel: „Noch eine Einführung in die Grundregeln zu geben, wäre für das erfahrene Team, das sie täglich anwendet, Eulen nach Athen zu tragen.“ Zur Herkunft lässt sich hier keine sichere Erklärung angeben. Im Unterschied zum „Frosch im Hals“ und zum „Bären aufbinden“ beschreibt die Wendung keine Stimme und keine Täuschung, sondern mangelnden Bedarf. Die Bilder unterscheiden sich deutlich: Der Frosch veranschaulicht eine körperliche Empfindung, der Bär eine Unwahrheit, die Eulen ein Zuviel am falschen Ort. Verwenden Sie „einen Frosch im Hals haben“ für Heiserkeit, „einen Bären aufbinden“ für eine erfundene Behauptung und „Eulen nach Athen tragen“ für einen unnötigen Zusatz. So trifft das Tierbild jeweils die gemeinte Situation, ohne dass die Wendung als sachlicher Fachausdruck missverstanden wird.
Redewendungen rund ums Essen
Essensbezogene Redewendungen greifen vertraute Lebensmittel und Situationen am Tisch auf, meinen aber meist etwas anderes als den wörtlichen Vorgang. In der deutschen Sprache drücken sie häufig Gleichgültigkeit, eine notwendige Anstrengung oder Enttäuschung aus. Ihre Bilder sind leicht verständlich, während die genaue Herkunft einzelner Ausdrücke oft nicht belegt ist. Bedeutung, Beispielsatz und Sprachregister zeigen, in welchen Gesprächen die Wendungen passend klingen.
Brot, Wurst und Käse
Die drei Redewendungen beziehen sich auf alltägliche Lebensmittel, unterscheiden sich aber deutlich in ihrer Aussage: Eine signalisiert Gleichgültigkeit, eine das Hinnehmen einer unangenehmen Pflicht und eine den Verlust eines Vorteils.
| Redewendung | Bedeutung und Beispiel | Register | Herkunftsstatus |
|---|---|---|---|
| Das ist mir Wurst | Etwas ist einer Person gleichgültig oder spielt für sie keine Rolle. Beispiel: „Ob wir den Film heute oder morgen sehen, ist mir Wurst.“ | Umgangssprachlich und informell; in einem lockeren Gespräch üblich, in einem förmlichen Schreiben eher zu salopp. | Eine gesicherte Einzelherkunft ist nicht belegt. Die Deutung, Wurst stehe hier für etwas Beliebiges oder Unwichtiges, ist plausibel, bleibt aber eine Erklärung des Bildes und kein nachgewiesener Ursprung. |
| In den sauren Apfel beißen | Eine unangenehme, aber unumgängliche Handlung auf sich nehmen. Beispiel: „Weil die Frist morgen endet, musste sie in den sauren Apfel beißen und den teuren Expressversand bezahlen.“ | Weitgehend neutral und sowohl mündlich als auch schriftlich verständlich; der Ausdruck betont den Widerwillen, nicht die Größe des Opfers. | Das Bild erklärt sich aus dem unangenehmen Geschmack eines sauren Apfels, den man trotz Abneigung essen muss. Eine konkrete historische Ursprungssituation lässt sich nicht sicher angeben. |
| Jemandem die Butter vom Brot nehmen | Jemandem einen Vorteil, eine Möglichkeit oder einen Teil seiner bisherigen Stellung wegnehmen. Beispiel: „Mit dem günstigeren Angebot nahm der neue Betrieb den etablierten Anbietern die Butter vom Brot.“ | Umgangssprachlich bis neutral; die Wendung klingt bildhaft und passt besonders zu Konkurrenz und beruflichen Vorteilen. Die Form „sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen“ bedeutet, sich einen Vorteil nicht nehmen zu lassen. | Die Vorstellung, jemandem etwas Wertvolles vom eigenen Brot zu nehmen, ist klar; eine einzelne belegte historische Entstehung ist jedoch nicht gesichert. |
Im Gespräch passt „Das ist mir Wurst“ zu einer nebensächlichen Entscheidung, während „in den sauren Apfel beißen“ eine widerwillig erledigte Pflicht beschreibt. Wer von Konkurrenz oder verlorenen Chancen spricht, kann mit der Butter-Wendung den entgangenen Vorteil hervorheben.
Obst, Gemüse und Getränke
„Tomaten auf den Augen haben“ bedeutet, etwas Offensichtliches nicht zu sehen oder zu bemerken. Der Ausdruck ist umgangssprachlich und meist scherzhaft vorwurfsvoll, etwa: „Der Schlüssel liegt direkt neben deiner Tasse – hast du Tomaten auf den Augen?“ Er passt unter vertrauten Personen, kann bei ernster Kritik aber herablassend wirken. Eine gesicherte historische Herkunft ist nicht bekannt. Das Bild verbindet auffällige Tomaten mit einer eingeschränkten Sicht; Erklärungen, die daraus eine konkrete Entstehungsgeschichte ableiten, bleiben Vermutungen.
„Den Löffel abgeben“ ist eine umgangssprachliche, oft derbe Umschreibung für sterben. Beispiel: „Im Roman heißt es, der alte Kapitän habe friedlich den Löffel abgegeben.“ Wegen des direkten und saloppen Tons eignet sich die Wendung eher für ein lockeres Gespräch oder eine erzählerische Stimme als für eine einfühlsame Nachricht an Angehörige. Auch die Herkunft ist umstritten: Eine Erklärung deutet den Löffel als persönliches Essgerät, das der Verstorbene nicht mehr braucht; eine andere verbindet ihn allgemein mit dem Ende der Versorgung und des Lebens. Beide Deutungen sind ungesichert.
Im Ton unterscheiden sich die Ausdrücke deutlich: Die Tomaten-Wendung rügt ein übersehenes Detail meist mit Humor, die Löffel-Wendung benennt den Tod scherzhaft oder grob. Für einen leichten Vorwurf im Alltag passt die erste; die zweite sollte nur gewählt werden, wenn ein salopper Umgangston zur Situation passt.
Redewendungen mit Körperteilen
Körperteile stehen in vielen Redewendungen nicht nur für den Körper, sondern auch für Wahrnehmung, Fähigkeiten und Gefühle. Die Nase kann sinnbildlich für das Maß an Geduld stehen, das Auge für Nachsicht und das Herz für persönliche Anteilnahme. Solche Bilder machen abstrakte Erfahrungen im Gespräch anschaulich und prägnant. Die passende Bedeutung ergibt sich jedoch stets aus dem Zusammenhang und dem Ton der Situation.
Kopf, Augen und Nase
Bei Wendungen mit Nase und Auge werden Wahrnehmung und Bewertung zu Bildern für eine Haltung. „Die Nase voll haben“ bedeutet, genug von etwas zu haben und nicht länger dazu bereit zu sein, es hinzunehmen. Die Formulierung ist umgangssprachlich und klingt oft deutlich genervt: „Ich habe die ständigen Verspätungen langsam satt – ich habe die Nase voll.“ Sie passt, wenn eine wiederkehrende Situation die Geduld aufgebraucht hat; für eine einzelne kleine Unannehmlichkeit wäre sie meist übertrieben. Eine gesicherte historische Herkunft ist nicht bekannt. Die Vorstellung, dass ein Geruch oder eine Belastung irgendwann unerträglich wird, liegt als Bild nahe, belegt aber keine konkrete Entstehungsgeschichte. „Ein Auge zudrücken“ heißt, einen kleinen Fehler bewusst zu übersehen oder aus Nachsicht nicht zu beanstanden. Im Arbeitsalltag könnte eine Vorgesetzte sagen: „Die verspätete Abgabe war diesmal knapp – ich drücke noch einmal ein Auge zu.“ Die Wendung ist geläufig und in Gesprächen wie in vielen beruflichen Situationen verwendbar, solange es tatsächlich um ein geringfügiges Versehen geht. Bei einem schwerwiegenden Verstoß klingt sie unpassend, weil Nachsicht nicht bedeutet, ein ernstes Problem zu billigen. Auch für diese Redensart lässt sich keine gesicherte Herkunft angeben; das Bild eines geschlossenen Auges veranschaulicht das absichtliche Nichtsehen, beweist aber keinen bestimmten historischen Ursprung. Beide Ausdrücke betreffen eine Grenze, beschreiben aber entgegengesetzte Seiten: Wer die Nase voll hat, möchte selbst nicht länger etwas ertragen; wer ein Auge zudrückt, lässt einem anderen etwas durchgehen. Eine genervte Person könnte etwa sagen: „Ich habe die Nase voll von den vergessenen Unterlagen“, während die zuständige Kollegin bei einem einmaligen Versäumnis ein Auge zudrückt. Für einen sachlichen Bericht sind neutralere Formulierungen wie „nicht länger hinnehmen“ oder „einen kleinen Fehler tolerieren“ genauer.
Hände, Füße und Herz
„Jemandem die Daumen drücken“ bedeutet, jemandem Glück zu wünschen, etwa vor einer Prüfung oder einem Bewerbungsgespräch: „Für dein Vorstellungsgespräch morgen drücke ich dir die Daumen.“ Die umgangssprachliche Wendung ist freundlich und wird sowohl mündlich als auch in einer kurzen Nachricht verwendet. Ihre Herkunft ist nicht sicher belegt; das Daumendrücken als Geste lässt sich deshalb nicht zuverlässig auf einen bestimmten historischen Brauch zurückführen. Anders als bei „Ein Auge zudrücken“ geht es nicht um Nachsicht, sondern um Unterstützung für einen guten Ausgang. „Auf großem Fuß leben“ beschreibt einen luxuriösen Lebensstil, häufig mit dem Beiklang, dass jemand viel Geld für Komfort oder Status ausgibt: „Seit dem neuen Auftrag lebt er auf großem Fuß und wohnt in einem großzügigen Hotel.“ Die Formulierung ist geläufig und eher umgangssprachlich; je nach Zusammenhang kann sie bewundernd oder kritisch klingen. Eine verbreitete Erzählung verbindet den Ausdruck mit besonders großen Schuhen des französischen Königs Karl VIII.; als gesicherte Herkunft gilt diese Geschichte jedoch nicht. Die Wendung bezeichnet den aufwendigen Lebensstil, nicht einfach eine große Schuhgröße. „Sich etwas zu Herzen nehmen“ heißt, einen Rat oder eine Kritik ernst zu nehmen und innerlich zu berücksichtigen. „Sie nahm den Hinweis ihrer Trainerin zu Herzen und übte anschließend gezielt an ihrem Aufschlag“ zeigt, dass die Rückmeldung Folgen für das Verhalten hat. Die Redensart ist im Alltag und in sachlichen Gesprächen gut verständlich; sie kann Anteilnahme ausdrücken, muss aber nicht bedeuten, dass jemand gekränkt ist. Eine konkrete historische Entstehung ist nicht gesichert: Das Herz steht hier bildlich für Gefühle und persönliche Bedeutung. Im Unterschied zum Daumendrücken, das Glück für eine andere Person wünscht, bezeichnet die Wendung eine eigene Reaktion auf einen Hinweis. Beim Gebrauch hilft die Frage, ob tatsächlich ein guter Ausgang gewünscht, ein luxuriöser Lebensstil beschrieben oder ein Rat ernst genommen wird.
Weitere Themenfelder
Redewendungen begegnen im Alltag ebenso wie in Gesprächen über Geld, Arbeit, Wetter und Zeit. Ihre Bedeutung erschließt sich oft aus einem Bild, das wörtlich genommen etwas anderes beschreibt als die gemeinte Aussage. Beispiele zeigen, in welchem Zusammenhang eine Wendung passt und ob sie eher umgangssprachlich oder neutral klingt. Wer nach einer passenden Formulierung sucht, kann von einem Stichwort, einer Situation oder der gesuchten Bedeutung ausgehen.
Geld und Arbeit
Geld wie Heu haben bedeutet, sehr reich zu sein oder über ausgesprochen viel Geld zu verfügen. Das Bild vergleicht den Reichtum mit großen Mengen Heu; eine gesicherte einzelne historische Entstehung lässt sich daraus nicht ableiten. Die Wendung ist umgangssprachlich und wirkt oft übertreibend, weshalb sie eher in Gesprächen als in Geschäftsberichten passt. Beispiel: „Nach dem erfolgreichen Verkauf seiner Firma hat er Geld wie Heu.“ Im Finanzkontext beschreibt sie eine zugespitzte Einschätzung des Vermögens, keine konkrete Summe oder überprüfbare Vermögensklasse.
Klinken putzen heißt, persönlich und beharrlich um Aufträge, Unterstützung oder Kundschaft zu werben. Der Ausdruck geht auf die anschauliche Vorstellung zurück, bei vielen Türen vorzusprechen und dabei die Türklinken zu berühren. Er ist umgangssprachlich und kann anerkennend für aktiven Einsatz, aber auch leicht abwertend für aufdringliche Werbung klingen. Beispiel: „Das kleine Unternehmen muss bei möglichen Auftraggebern Klinken putzen, um neue Projekte zu gewinnen.“ Im Berufsleben passt die Wendung zu Akquise und persönlicher Ansprache; in einem förmlichen Bericht wären „Kunden gewinnen“ oder „Kontakte ansprechen“ sachlicher.
Wetter und Jahreszeiten
Aus allen Wolken fallen bedeutet, völlig überrascht oder erschrocken zu sein. Das Bild stellt eine Person dar, die unvermittelt aus großer Höhe herabstürzt; ein bestimmter historischer Ursprung der Redensart ist nicht sicher belegt. Die Wendung ist geläufig und in der Alltagssprache neutral bis umgangssprachlich. Beispiel: „Als die Abteilung von der kurzfristigen Schließung erfuhr, fielen viele Beschäftigte aus allen Wolken.“ Sie passt, wenn eine Nachricht unerwartet kommt und die Reaktion deutlich ausfällt, nicht für eine bloße kleine Verwunderung.
Das Blaue vom Himmel versprechen heißt, große, aber unverbindliche oder unrealistische Versprechen zu machen. Die Vorstellung eines grenzenlosen Himmels dient als Bild für Zusagen, die kaum einzulösen sind; eine genaue historische Herleitung ist nicht gesichert. Die Wendung ist umgangssprachlich und oft kritisch. Beispiel: „Der Anbieter versprach dem Team das Blaue vom Himmel, nannte aber weder einen Termin noch konkrete Leistungen.“ Sie eignet sich, wenn vor allem die mangelnde Verlässlichkeit von Aussagen betont werden soll. Bei einer sachlichen Beschwerde ist eine konkrete Beschreibung der nicht eingehaltenen Zusage präziser.
Farben und Zahlen
Rot sehen bedeutet, sehr wütend zu werden. Die Farbe steht hier metaphorisch für heftige Erregung; die Redewendung knüpft an verbreitete Farbbilder an, lässt sich aber nicht sicher auf einen einzelnen historischen Ursprung zurückführen. Sie ist umgangssprachlich und stärker als „sich ärgern“. Beispiel: „Als der Termin zum dritten Mal ohne Absprache verschoben wurde, sah sie rot.“ Die Farbmetapher passt, wenn eine deutliche, unmittelbare Wut gemeint ist. Für eine sachliche Beschreibung am Arbeitsplatz sind Formulierungen wie „verärgert reagieren“ meist angemessener.
In null Komma nichts bedeutet, etwas äußerst schnell oder nahezu augenblicklich zu erledigen. Die Wendung nutzt die Schreibweise einer Dezimalzahl und stellt eine kaum messbare Zeitspanne bildlich als Null dar. Sie ist umgangssprachlich und betont das Tempo, nicht eine genaue Dauer. Beispiel: „Mit der vorbereiteten Vorlage war der kurze Bericht in null Komma nichts fertig.“ Die Zahlmetapher eignet sich für rasche Vorgänge im Alltag oder in lockeren Gesprächen. Bei Arbeitsabläufen mit verbindlichen Zeitangaben sollte sie durch eine konkrete Dauer ersetzt werden, etwa „innerhalb weniger Minuten“.
Wie man Redewendungen findet
Eine Suche gelingt leichter, wenn Sie nicht nur nach einem einzelnen Wort, sondern auch nach der gemeinten Aussage oder dem Gesprächsanlass suchen. Prüfen Sie anschließend, ob Bedeutung und Sprachregister zum eigenen Satz passen.
- Stichwortsuche: Verbinden Sie ein Thema mit „Redewendung“, etwa „Geld Redewendung“; prüfen Sie bei Treffern wie „Geld wie Heu“ die angegebene Bedeutung.
- Bedeutungssuche: Formulieren Sie die Aussage als Frage, zum Beispiel „Wie sagt man sehr wütend?“; vergleichen Sie die Erklärung zu „Rot sehen“ mit Ihrem gemeinten Gefühl.
- Situationsbeschreibung: Beschreiben Sie den Anlass knapp, etwa „unerwartete Nachricht“; so lässt sich prüfen, ob „Aus allen Wolken fallen“ zur Reaktion passt.
- Registerprüfung: Suchen Sie gezielt nach Kennzeichnungen wie „umgangssprachlich“ und lesen Sie Beispielsätze; entscheiden Sie danach, ob die Wendung in Bewerbung, Bericht oder Gespräch passt.
Ein Wörterbuch oder eine verlässliche Sammlung sollte die Bedeutung und möglichst einen Beispielsatz nennen. Bei einem wichtigen Text hilft es, die Wendung im eigenen Satz laut zu lesen und auf Ton und Zusammenhang zu prüfen.
Häufige Fragen
Bei der Auswahl und Einordnung fester Wendungen helfen klare Suchbegriffe, aktuelle Sprachbeispiele und ein Blick auf den jeweiligen Sprachstil.
Wie finde ich eine Redewendung zu einem bestimmten Thema?
Eine passende Wendung finden Sie, indem Sie ein prägnantes Stichwort aus dem gesuchten Sinn eingeben, etwa „Geduld“ oder „Überraschung“, und die Treffer mit einer Situationsbeschreibung eingrenzen: Soll die Formulierung Lob, Kritik, Zweifel oder eine Handlung ausdrücken? Bei einer Bedeutungsrecherche suchen Sie zunächst nach dem gemeinten Sinn und vergleichen anschließend mehrere Belege, statt nur nach einem einzelnen Wort zu entscheiden. Prüfen Sie im Wörterbuch oder in einer verlässlichen Textquelle außerdem das Register: Eine umgangssprachliche Wendung passt nicht automatisch in einen sachlichen Bericht oder eine formelle Nachricht.
Gibt es eine vollständige Liste aller Redewendungen?
Eine vollständige Liste aller Redewendungen gibt es nicht; Wörterbücher und Nachschlagewerke dokumentieren jeweils eine Auswahl. Der Sprachgebrauch verändert sich, regionale Formen unterscheiden sich, und manche Ausdrücke sind nur in bestimmten Situationen oder Gemeinschaften geläufig, sodass kein einzelnes Werk sämtliche Varianten erfassen kann. Auch umfangreiche Sammlungen unterscheiden sich darin, welche festen Wortverbindungen sie aufnehmen und wie sie diese abgrenzen. Für eine Recherche vergleichen Sie deshalb bei Bedarf mehrere Wörterbücher und achten darauf, ob ein Ausdruck mit Bedeutung, Anwendungsbeispiel und Registerhinweis erklärt wird.
Welche Redewendungen gelten als veraltet?
Als veraltet gelten meist Wendungen, die in heutigen Gesprächen und modernen Texten nur noch selten vorkommen oder deren Wortlaut vielen Lesenden nicht mehr vertraut ist. Eine geringe Häufigkeit allein beweist jedoch nicht, dass ein Ausdruck außer Gebrauch ist: Er kann regional, scherzhaft oder in einem bestimmten Fach- und Literaturkontext weiterhin verwendet werden. Prüfen Sie deshalb aktuelle Belege und die Registerangaben eines Wörterbuchs; Hinweise wie „veraltet“ oder „historisch“ kennzeichnen eine andere Verwendung als „gehoben“ oder „umgangssprachlich“. Entscheidend ist, ob die Formulierung für das heutige Publikum verständlich und im jeweiligen Kontext üblich ist.
Welche Redewendungen sind für Prüfungen und Texte nützlich?
Für Prüfungen und Texte eignen sich Wendungen, deren Bedeutung Sie sicher erklären und deren Register Sie passend einschätzen können. In einer Erörterung oder einem formellen Bericht wirken neutrale, allgemein verständliche Formulierungen meist angemessener als stark umgangssprachliche Ausdrücke; in einem Dialog oder einer Figurenrede können solche Wendungen dagegen die Stimme glaubwürdig gestalten. Achten Sie außerdem darauf, dass die Redensart den gemeinten Gedanken tatsächlich präzisiert und grammatisch in den Satz passt. In einer Prüfung ist ein korrekt erklärter Ausdruck hilfreicher als eine besonders ausgefallene Formulierung, deren Sinn oder Ton Sie nicht sicher beherrschen.