Bedeutung der Redewendung
»Da brat mir einer einen Storch« ist ein Ausruf, mit dem Sie Verwunderung oder Unglauben ausdrücken. Die Formulierung klingt bildhaft und auffällig, wird im Alltag aber nicht als wörtliche Aufforderung verstanden. Der Duden kennzeichnet den Ausdruck als umgangssprachlich und nennt auch die Variante »da/jetzt brat mir einer einen Storch!«. Entscheidend für die Wirkung sind vor allem Situation und Betonung: Meist reagiert die sprechende Person auf eine überraschende Nachricht oder Beobachtung.
Ausdruck der Verwunderung
Mit »Da brat mir einer einen Storch!« zeigen Sie, dass Sie etwas überraschend, erstaunlich oder kaum glaubhaft finden. Der Ausruf passt etwa zu einer unerwarteten Nachricht, einer plötzlichen Wendung oder einer Leistung, mit der niemand gerechnet hat. Je nach Tonfall kann er echtes Erstaunen, amüsiertes Unglauben oder leichte Ironie ausdrücken; eine feste Gefühlsnuance hat er nicht.
Der Duden führt die Formulierung als umgangssprachlichen Ausdruck und verzeichnet die Variante »da/jetzt brat mir einer einen Storch!«. Damit ist sie vor allem in lockeren Gesprächen passend, während sie in einem sachlichen Bericht oder einem formellen Schreiben meist ungewöhnlich wirkt. Die ungewöhnliche Vorstellung des bratenden Storches macht den Ausruf einprägsam, ist aber nicht wörtlich zu verstehen: Es geht weder um eine Kochanweisung noch um ein Rezept.
Als Reaktion klingt die Wendung lebhaft und mitunter humorvoll. Eine betonte Aussprache von »da« oder »Storch« verstärkt den Eindruck des Staunens; leise oder ironisch gesprochen kann derselbe Satz eher skeptisch wirken. Sie sollten deshalb auf den Gesprächszusammenhang achten: Bei einer erfreulichen Überraschung kann der Ausruf herzlich klingen, bei einer ernsten Mitteilung dagegen leicht salopp oder unpassend.
Die Herkunft der Formulierung ist nicht mit derselben Sicherheit zu erklären wie ihre heutige Funktion. Für den Gebrauch müssen Sie keine bestimmte historische Deutung voraussetzen. Praktisch gilt: Verwenden Sie den Ausruf in einem vertrauten, ungezwungenen Gespräch, wenn Sie Überraschung deutlich, aber nicht förmlich ausdrücken möchten.
Varianten und Schreibweisen
Die Grundform lässt sich durch »doch« verstärken oder mit »’nen« verkürzen. Der Duden nennt außerdem die Form mit »da« oder »jetzt«; die Tabelle zeigt, wie sich die Varianten im Schriftbild und im Ton unterscheiden.
| Form | Merkmal | Register und Hinweis |
|---|---|---|
| Da brat mir einer einen Storch! | Ungekürzte Grundform | Umgangssprachlich; entspricht der geläufigen Schreibweise. |
| Da/jetzt brat mir einer einen Storch! | »Da« und »jetzt« sind alternative Einstiege | Der Duden führt diese Varianten an; im Fließtext schreiben Sie jeweils eine Form aus. |
| Da brat mir doch einer einen Storch! | Mit dem verstärkenden »doch« | Umgangssprachlich; klingt besonders nachdrücklich oder erstaunt. |
| Da brat mir doch einer ’nen Storch! | »’nen« ist eine verkürzte Wiedergabe von »einen« | Sehr locker und lautnah; eher für Dialoge oder informelle Nachrichten geeignet. |
Für einen neutralen geschriebenen Text ist die ungekürzte Form am klarsten. Die verkürzte Schreibweise bildet gesprochene Sprache ab und wirkt entsprechend lässig; »doch« verändert die Betonung, nicht den grundsätzlichen Sinn.
Beispielsätze
In den folgenden Alltagssätzen steht die Formulierung jeweils als kolloquialer Ausruf der Überraschung:
»Da brat mir einer einen Storch, der Bus ist heute tatsächlich fünf Minuten früher gekommen!«
»Jetzt brat mir einer einen Storch: Sie haben den Wettbewerb mit ihrem ersten Entwurf gewonnen.«
»Da brat mir doch einer einen Storch, du hast den Schlüssel in der Jackentasche gefunden!«
In allen drei Fällen reagiert die sprechende Person auf eine unerwartete, aber alltägliche Situation. Die Sätze beschreiben keine Zubereitung und enthalten keine Anweisung zum Braten; der Storch gehört allein zum bildhaften Wortlaut des Ausrufs. Für eigene Formulierungen genügt es, die Wendung vor eine konkrete Überraschung zu setzen und den lockeren Ton des Gesprächs zu berücksichtigen. Verwenden Sie sie daher vor allem mündlich oder in informellen Nachrichten, nicht als sachliche Aussage in einem formellen Schreiben.
Herkunft
Die Herkunft der Redewendung lässt sich nicht auf eine einzige, sicher belegte Erklärung zurückführen. Eine wichtige Deutung verbindet den Storch mit dem biblischen Speiseverbot und der Vorstellung, das Tier sei ungenießbar. Ein gebratener Storch erscheint in diesem Zusammenhang als widersinnige, kaum vorstellbare Speise. Wörterbücher wie Wahrig greifen diese Verbindung auf, doch sie beweist nicht, wann und wie der Ausdruck entstanden ist. Für die Einordnung ist deshalb entscheidend, zwischen einer überlieferten Erklärung und einem gesicherten historischen Ursprung zu unterscheiden.
Der Storch als ungenießbares Tier
Wahrig stellt bei der Erklärung der Redewendung eine Verbindung zwischen dem Storch, seiner Einstufung als ungenießbar und der biblischen Regelung in 3. Mose 11 her. Der Gedanke dahinter ist nicht, dass sich ein bestimmtes Rezept oder ein belegtes Kochereignis erhalten hätte. Vielmehr wirkt die Vorstellung, ausgerechnet einen Storch zu braten, in dieser Deutung von Anfang an abwegig.
Das Bild lässt sich anhand mehrerer Aspekte nachvollziehen:
- In der Erklärung gilt der Storch als ungenießbares Tier; der Ausdruck setzt damit ein Gericht voraus, das gerade nicht als gewöhnliche Mahlzeit erscheint.
- Das Verb „braten“ macht die ungewöhnliche Vorstellung anschaulich: Der Vogel wird nicht nur gefangen, sondern sichtbar für den Verzehr zubereitet.
- Wer ein als unessbar geltendes Tier auf den Tisch bringt, durchbricht die erwartete Ordnung zwischen geeigneter Nahrung und ungeeignetem Wildtier.
- Die Kombination aus alltäglichem Kochvorgang und ungewöhnlichem Tier erzeugt einen bewussten Gegensatz, der das Bild des Unmöglichen oder völlig Unerwarteten verstärkt.
- Der Storch steht in dieser Erklärung nicht für eine konkrete historische Mahlzeit, sondern für ein Tier, dessen Zubereitung als widersinnig und kaum vorstellbar gilt.
Ein gebratener Storch fungiert somit als gedanklicher Widerspruch: Der Vorgang des Bratens wäre grundsätzlich verständlich, doch das gewählte Tier gilt gerade nicht als passende Speise. Aus diesem Kontrast entsteht die Pointe des Bildes. Es geht nicht um eine kulinarische Beschreibung des Fleisches, sondern um die kulturelle Vorstellung, dass dieses Gericht nicht auf den Tisch gehört.
Die Wahrig-Erklärung ordnet diese Vorstellung ausdrücklich in den Zusammenhang mit dem biblischen Verbot ein. Dass ein Tier auf einer Verbotsliste steht, erklärt jedoch nicht automatisch, wie sich daraus ein fester sprachlicher Ausdruck entwickelt hat. Der Bezug liefert eine nachvollziehbare Deutung des Bildes, aber keinen vollständigen Nachweis seiner Entstehungsgeschichte.
Das biblische Verbot
In 3. Mose 11, besonders in den Versen 13 bis 19, werden Vögel genannt, die nach der biblischen Speiseregel nicht gegessen werden sollen. In Vers 19 erscheint auch der Storch. Die Passage ordnet ihn damit einer Gruppe von Tieren zu, deren Verzehr untersagt ist. Für die sprachliche Erklärung ist dieser konkrete Eintrag wichtig: Er bietet einen möglichen Hintergrund für die Vorstellung, ein gebratener Storch sei keine gewöhnliche oder zulässige Speise.
Der Text selbst erklärt jedoch nicht, dass aus dem Verbot später eine Redewendung entstanden sei. Er enthält weder eine Aussage über den Geschmack des Storchenfleisches noch eine Erzählung über eine misslungene Zubereitung. Die Verbindung zwischen der biblischen Vorschrift und der sprachlichen Wendung ist daher eine Deutung, die sich aus dem Motiv des unzulässigen Essens ergibt. Sie passt zu dem Bild eines Gerichts, das gerade wegen des genannten Vogels ungewöhnlich wirkt.
Wörterbücher wie Wahrig führen diese biblische Verbindung als Erklärung an. Das ist ein Beleg dafür, dass sie in der lexikografischen Überlieferung berücksichtigt wird, aber kein unabhängiger Nachweis für eine direkte Entstehung aus dem Bibelvers. Die Quellenlage bleibt knapp: 3. Mose 11 belegt das Speiseverbot, nicht den Zeitpunkt oder den konkreten Weg, auf dem das Motiv in den deutschen Sprachgebrauch gelangte. Der biblische Zusammenhang ist deshalb als mögliches Motiv zu verstehen, nicht als lückenlos belegte Entstehungskette.
Was ungeklärt bleibt
Die Herkunft der Redewendung ist nur teilweise dokumentiert. Die Verbindung zum Speiseverbot in 3. Mose 11 erklärt plausibel, weshalb ein gebratener Storch als abwegiges Bild erscheinen kann; sie belegt aber nicht, wann der Ausdruck erstmals gebraucht wurde oder wer ihn geprägt hat. Eine gesicherte Entstehungserzählung lässt sich daraus nicht ableiten.
Neben der biblischen Deutung steht die allgemeinere Erklärung über den Storch als ungenießbares Tier und die dadurch unwahrscheinliche Zubereitung. Diese Ansätze überschneiden sich, sind aber nicht gleichbedeutend: Der eine betont das religiöse Verbot, der andere die Vorstellung einer ungeeigneten Speise. Es ist möglich, dass beide Vorstellungen zur Deutung des Bildes beigetragen haben, doch der genaue Anteil jeder Erklärung bleibt offen.
Gelegentlich wird behauptet, die Redewendung lasse sich auf ein Kochbuch des 17. Jahrhunderts zurückführen. Diese Behauptung ist nicht bestätigt und sollte nicht als historische Tatsache gelten; ohne überprüfbaren Beleg lässt sich daraus kein sicherer Ursprung ableiten. Praktisch ist daher die vorsichtige Einordnung am verlässlichsten: Die biblische Regelung bietet einen bekannten möglichen Hintergrund, während der genaue Weg in den Sprachgebrauch ungeklärt bleibt.
Der Storch in Sprache und Natur
Der Weißstorch ist eine reale heimische Vogelart; der Klapperstorch gehört dagegen vor allem zum überlieferten Sprach- und Vorstellungsbild. In der deutschen Sprache kann der Vogel außerdem als bildliches Element in Redewendungen und anderen Ausdrücken erscheinen. Die drei Ebenen – Tier, volkstümliche Bezeichnung und sprachliches Bild – haben unterschiedliche Bedeutungen. Auch beim Schutz des Weißstorchs spielen konkrete gesetzliche Regelungen eine Rolle.
Weißstorch und Klapperstorch
Der Weißstorch ist eine Vogelart, der Klapperstorch eine volkstümliche Bezeichnung mit eigenem kulturellem Bezug. Bildliche Verwendungen wiederum nutzen Vorstellungen, die sich rund um den Vogel entwickelt haben; sie beschreiben nicht zwingend sein Verhalten in der Natur.
| Begriff | Konkrete Bedeutung | Einordnung |
|---|---|---|
| Weißstorch | Ciconia ciconia, eine Art aus der Familie der Störche (Ciconiidae). | Der biologische Name bezeichnet den Vogel. Er hat überwiegend weißes Gefieder, schwarze Flügelpartien sowie einen langen roten Schnabel und rote Beine. |
| Klapperstorch | Gebräuchlicher Name für den Storch, der mit seinem Schnabel ein weithin hörbares Klappern erzeugt. | Im volkstümlichen Bild bringt der Klapperstorch Babys zu den Familien. Das ist eine Erzähltradition, keine Aussage über Fortpflanzung oder Verhalten des echten Vogels. |
| Bildliche Verwendung | Der Storch steht in sprachlichen Bildern für Vorstellungen, die über das Tier selbst hinausgehen. | Solche Wendungen und Erzählmotive sind sprachlich-kulturelle Deutungen. Sie sind von der zoologischen Beschreibung und dem wörtlichen Gebrauch des Vogelnamens zu unterscheiden. |
Der Name Klapperstorch verweist auf das Klappern, das durch das Aufeinanderschlagen des Schnabels entsteht. Diese Lautäußerung ist von einem Gesang zu unterscheiden: Störche geben zwar auch andere Laute von sich, doch das Schnabelklappern ist besonders auffällig. Die Vorstellung vom Klapperstorch, der ein Kind bringt, ist eine folkloristische Erklärung für Kinder. Sie gehört zur Symbolik des Storchs in der Überlieferung und nicht zur biologischen Beschreibung. Entsprechend kann dasselbe Wort je nach Zusammenhang einen Vogel oder ein überliefertes Bild bezeichnen.
Schutz der Störche
Für wildlebende Störche gelten in Deutschland gesetzliche Schutzbestimmungen. Das Bundesnaturschutzgesetz und die EU-Vogelschutzrichtlinie benennen dafür zentrale Grundlagen.
| Regelung | Konkreter Inhalt | Praktische Folge |
|---|---|---|
| Bundesnaturschutzgesetz, § 7 Absatz 2 | Wildlebende Vogelarten in Deutschland gelten als besonders geschützt. | Der Weißstorch fällt unter diesen Schutzstatus. |
| Bundesnaturschutzgesetz, § 44 | Die Vorschriften enthalten Zugriffsverbote für besonders geschützte Tiere, darunter Verbote des Fangens, Verletzens und Tötens. | Störche dürfen nicht gejagt oder getötet werden. |
| EU-Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG, Anhang I | Der Weißstorch ist in Anhang I aufgeführt. | Für die dort genannten Arten sind besondere Schutzmaßnahmen vorgesehen. |
Die rechtliche Einordnung betrifft wildlebende Vögel und ist nicht davon abhängig, ob ein Storch gerade an einem Nest, auf einer Wiese oder auf einem Dach zu sehen ist. Für den Alltag heißt das: Störche aus der Distanz beobachten und weder verfolgen noch fangen oder verletzen.
Häufige Fragen
„Da brat mir einer einen Storch“ ist eine feste Redewendung der deutschen Umgangssprache. Ihre Form wirkt anschaulich und ungewöhnlich, wird aber nicht wörtlich verstanden. Bei der Verwendung kommt es vor allem auf den Gesprächston und den jeweiligen Anlass an. Die folgenden Fragen ordnen den Ausdruck sprachlich und inhaltlich ein.
Was bedeutet ‚Da brat mir einer einen Storch‘?
„Da brat mir einer einen Storch“ bedeutet, dass jemand überrascht oder ungläubig ist. Die Redewendung dient als Ausruf, wenn eine Nachricht, Beobachtung oder Wendung unerwartet kommt; sie drückt dabei meist deutliches Erstaunen aus.
Der Ton ist umgangssprachlich und oft nachdrücklich, kann je nach Situation aber auch scherzhaft wirken. Gemeint ist keine wörtliche Aufforderung, einen Storch zuzubereiten, sondern ein bildhafter Ausdruck der Verwunderung. Er passt daher besonders in ein spontanes Gespräch, in dem eine Person auf etwas Auffälliges reagiert.
Wie schreibt man die Redewendung richtig?
Die geläufige vollständige Schreibweise lautet „Da brat mir einer einen Storch!“; als Duden-Variante wird diese Form geführt. Am Satzanfang steht „Da“ groß, „brat“ und „einen Storch“ werden kleingeschrieben, und ein Ausrufezeichen passt, wenn der Ausdruck als selbstständiger Ausruf verwendet wird.
In einem Satz kann die Redewendung ohne Ausrufezeichen stehen, wenn die Satzzeichen der gesamten Konstruktion folgen. Verkürzte Formen wie „Da brat mir einer!“ lassen den Bezug zum Storch weg und sind weniger vollständig; für eine eindeutige Wiedergabe empfiehlt sich die ausgeschriebene Redewendung.
Woher kommt die Redewendung?
Als Erklärung für den Ursprung wird der Storch als ein Tier angeführt, das als ungenießbar galt; dazu passt der biblische Zusammenhang mit dem Verbot, bestimmte Tiere zu essen. Wörterbücher wie Wahrig und Duden verweisen auf diesen Hintergrund, der die ungewöhnliche Vorstellung des Bratens verständlich macht.
Eine gesicherte Entstehungsgeschichte ergibt sich daraus jedoch nicht. Der genaue Ursprung der Redewendung bleibt ungeklärt, und der biblische Bezug ist als mögliche Erklärung zu verstehen, nicht als Beweis für einen eindeutig belegten Zeitpunkt oder Anlass ihrer Entstehung.
In welchen Situationen benutzt man sie?
Die Redewendung passt zu alltäglichen Momenten der Verwunderung, etwa wenn eine unerwartete Nachricht oder eine überraschende Wendung im Gespräch für Unglauben sorgt. Sie wird meist spontan als Reaktion ausgesprochen und verleiht dem Erstaunen einen betont bildhaften, mitunter scherzhaften Klang.
In formellen Schreiben, offiziellen Mitteilungen oder einem sachlichen Vortrag wirkt der Ausdruck dagegen unpassend, weil er deutlich zur Umgangssprache gehört. Im privaten Gespräch kann er eine spontane Reaktion auf eine überraschende Beobachtung begleiten; entscheidend ist, dass der lockere Ton zur Situation und zu den Gesprächspartnern passt.